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Aktualisiert: Juni 9


Interview mit dog&SCHWOAZ: Hommage an Bob Dylan zum 80sten!

Schon seit 2016 ist der Wiener Songwriter Norbert Schermann unter dem Künstlernamen dog&SCHWOAZ aktiv. Der Projektname dog&SCHWOAZ ist ein Verweis auf den Wiener Sprach-künstler Gerhard Rühm. Zwei Alben sind bisher erschienen, mit feinen Liedern, bei denen der Fokus stark auf den von Literatur & Kunst beeinflussten Texten im Dialekt liegt. Daneben zählen auch klassische Songwriter wie Leonard Cohen, Neil Young oder Bob Dylan zu den Vorbildern des Wiener Musikers.

Dylan feierte ja am 24. Mai seinen achtzigsten Geburtstag. 2016 wurde der legendäre US-Musiker aus Minnesota mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet und vor einem Jahr erschien das von Fans & Kritikern gefeierte 39. Studioalbum „Rough and Rowdy Ways“. dog&SCHWOAZ hat aus dieser LP jetzt den Titel „My Own Version Of You“ gecovert. Somit veröffentlicht der Wiener Songwriter gleichzeitig eines der ersten Covers vom letzten Dylan-Album überhaupt. Mehr darüber im folgenden Interview:


Warum hast du "My own version of you" von Dylan´s letztjährigem Album Rough And Rowdy Ways gecovert? Was ist das besondere an dem Song?



Ich wollte meine eigene Hommage auf Bob Dylan zu dessen 80er am 24.Mai 2021 beisteuern. „Mei Eigane Version von dir“ von „My Own Version of You“ ist das tatsächlich das Ergebnis unzähliger Umrundungen um dieses Lied, die mich ein bissl schwindelig gemacht haben. Da sind so viele Ebenen drinnen, nach denen man sich das anhören kann, das ist sogar bei Dylan was Besonderes.

Man kann den Song als Mantra hören, als routinierte Kreisbewegung um ein zentrales Thema der Menschheitsgeschichte: der Mensch als Schöpfer seiner selbst.

Oder man hört ihn als weiteres Schlüsselwerk des Großmeisters einer (auch) konstruktivistisch orientierten Poesie: Dylan lässt sich von Mary Shelley (das ist die mit dem Frankenstein) zu einem Picknick einladen, bei dem auch der Golem, Prometheus und ähnliche Gestalten auftauchen, ohne dass sie direkt sichtbar werden. Nicht alles geht sich ohne eine Portion Schmäh aus. Das ist übrigens meine zentrale Andockstelle – für einen Wiener wohl kein Wunder - an diesen Herren Robert Allen Zimmerman.

Vielleicht hört sich das aber jemand auch als Gebrauchsanweisung an, in der Dylan Hinweise auf die Baupläne seines Werkes gibt: Alles was gesagt und verbrochen werden kann, wurde schon gesagt und verbrochen, es kommt darauf an, wie man davon erzählt und welche Formen in welchen gesellschaftlichen Zeiten verstanden – und vor allem gehört - werden können.



Wie gehst du vor, wenn du einen Text von einem Meister wie Bob Dylan in den Dialekt übersetzt?

Da orientiere ich mich am Herrn Picasso. Der hat einmal erklärt, dass er nicht sucht, sondern findet. Ich setz noch eines drauf und geselle mich zu denen, die sich finden lassen. Damit meine ich, dass ich einfach meine Kanäle offen halte für das was mir nahe kommt: Eine musikalische Passage, Worte, Sätze, Bilder, Stimmungen und alles Mögliche sonst. Das ist der Ausgangspunkt, wenn ich etwas übersetze. Dass es oft der Wiener Dialekt ist, in den ich transferiere, kommt sozusagen als Nebenbedingung meines künstlerischen Konzepts dazu. Und wenn ich mich entschieden habe, etwas zu übersetzen, dann lasse ich es einfach über mich hereinbrechen.

Meine Aufgabe besteht dann hauptsächlich darin, nicht verrückt zu werden, wenn so viele Ideen, Impulse oder Versatzstücke daherkommen. Ich muss Sortieren und oft mit mir darum kämpfen, das was ich einmal angefangen habe, für gute Ideen zu halten auch wieder gehen zu lassen. Manchmal an die Luft

zu setzen, sonst wird es zu viel. Im Prinzip moderiere ich in meinem Prozess des Übersetzens meine vielen inneren Perspektiven. Das so lange bis ich entscheide, dass es jetzt passt!

Im Hintergrund läuft fast als ethisches Kriterium mit, mir des gesellschaftspolitischen Bildes bewusst zu sein, dass ich vielleicht damit bediene. Aber das gilt aus meiner Sicht ja sowieso fürs Songwriting insgesamt.

Wie und wo ist das Video zu "Mei Eigane Version von dir" entstanden?

Wie es halt so kommt… Ich habe einem befreundeten Musikjournalisten aus Wien eine Rohfassung des Songs geschickt. Der hat sich dann sofort nach dem Anhören gemeldet und gemeint, da muss ein Video her, weil diese Übersetzung anscheinend einen Kern trifft. Das Konzept war gleich aus dem Ärmel geschüttelt und wir haben das Ding im Prater vor der Geisterbahn und an wunderschönen Stellen der Hauptallee gedreht. Er hat die Schauplätze mit mir ausgesucht und alles sehr gekonnt gefilmt. Ich hab es dann recht hemdsärmelig selber geschnitten – und bin lustiger Weise recht zufrieden damit. Mittlerweile habe ich auch überraschend von einigen MuskerInnen, auf deren Einschätzungen ich besonderen Wert lege, sehr leiwaunde Kommentare dazu bekommen, obwohl es erst seit kurzer Zeit online ist.

Wie lauten deine Zukunftspläne?

Die Zukunft entsteht ja immer auch aus dem heraus, was wir für die Vergangenheit halten und wie wir diese bewerten.

Da kommen die zweischneidigen pandemiebedingte Lockdowns ins Spiel. Plötzlich wurden wie bei allen anderen meine Konzerttermine abgesagt, die bei mir ja ohnehin überschaubar waren. Ich muss aber nicht wie viele andere von meiner Kunst leben und hatte kaum Existenzsorgen.

Auf der anderen Seite wäre ich kompositorisch und musikalisch niemals soweit gekommen wie ich gekommen bin. Ich habe begonnen, neben Gitarre auch Klavier zu spielen, viele Songs geschrieben meine künstlerische Figur dog&SCHWOAZ weiter entwickelt, produziere zu großen Teilen selbst und werde etwas davon in der kommenden Zeit veröffentlichen. Ein bisschen was davon herzeigen und abgleichen, ob das auch andere so gut finden wie ich selbst (schmunzelt).

Am wichtigsten ist mir aber, einfach wieder vor anwesenden Menschen spielen zu dürfen - ein paar Konzerte habe ich schon vereinbart. Termine sind auf meiner Homepage bzw. auf Facebook zu finden!


Interview: Robert Fischer, Fotos: Sony Music, Bodygraphicart, dog.schwoaz.com

dog@Schwoaz


Live am 16.07.2021 Ignaz und Rosalia, Meidlinger Markt (19h)






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