Fischer`s Reparaturempfehlung




Interview mit INGA RUMPF: „Was ist noch zu tun, um ein gutes Leben zu haben?“ Die deutsche Blues- und Gospelsängerin Inga Rumpf aus Hamburg, seit über 50 Jahren als Musikerin aktiv, feierte Anfang August ihren 75sten Geburtstag mit einer neuen Platte und einer Biografie. Im Interview mit Robert Fischer äußert sie ihre Gedanken zur Corona-Pandemie bzw. den aktuellen Veränderungen in der Gesellschaft, und erzählt wie sie als junge Musikerin mit dem Sänger Udo Lindenberg in einer Band gespielt hat. Frau Rumpf, Sie sind ja in Hamburg geboren und aufgewachsen. Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie sich als Jugendliche für Blues- bzw. Rockmusik begeistert haben? Inga Rumpf: Eigentlich waren es eher Blues und Gospel, die mich sehr interessiert haben. Diese Musik ist meine Sozialisation gewesen. Meine Eltern haben mein Talent entdeckt, als ich ca. vier Jahre alt war. Von der Musik zu leben, blieb aber zuerst einmal aber eine Illusion, deshalb habe ich meinen Eltern zuliebe eine Lehre gemacht. Nebenbei habe ich aber immer schon gesungen, und für mich war immer klar, dass ich irgendwann mit Musik mein Leben gestalten werde bzw. damit mein Geld verdienen werde. Blues-, Soul- und Gospel-Musik sind für mich der Schrei nach Freiheit gewesen. Diese Musik hat für mich alle Türen geöffnet. Der Blues war damals die Musikgattung, die für meine Stimme am besten gepasst hat. Haben Sie damals auch schon Gitarre gespielt? Ja, das für mich sozusagen die Erlösung eine Gitarre zu haben. Ich sollte eigentlich Geige spielen, aber das passte überhaupt nicht zu mir. Ich wollte mich mit einem Instrument ausdrücken und dazu singen, und mit einer Geige bzw. Violine ging das einfach nicht. Ich habe dann sehr schnell Leute gefunden, mit denen ich zusammen Musik gemacht habe bzw. die auf der gleichen Wellenlänge waren wie ich und auch schon Blues-Platten besaßen. Ich selbst besaß keinen Plattenspieler, wir waren ziemlich arm. Sowas wie einen Plattenspieler konnten wir uns nicht leisten. In einer Ihren ersten Bands, den „City Preachers“, haben Sie dann mit Udo Lindenberg zusammengespielt. Wie kam es dazu? Über die „City Preachers“, die eigentlich so eine Art Weltmusik gemacht haben, ging die Entwicklung dann langsam Richtung Soul- bzw. Rock. Das war so 1968, da wollte ich unbedingt raus aus den Kulturveranstaltungen, die wir damals als „City Preachers“ gemacht hatten. Darum suchten wir nach neuen Musikern. Im Zuge dessen sind wir auf Udo Lindenberg gestoßen. Der war ja damals noch Schlagzeuger und passte zu der Band bzw. hatte Udo auch einen guten Gesangsstil. Wir sind dann solange gemeinsam aufgetreten, bis sich Jean-Jaques Kravetz, der Organist der Band und Udo ein bisschen entzweit hatten. Da mussten wir uns einen neuen Schlagzeuger suchen, und daraus ist dann die neue Band „Frumpy“ entstanden. Sind sie in einer langen Karriere eigentlich auch in Wien bzw. Österreich aufgetreten? Klar, öfter. Ich war damals mit dem wunderbaren Pianisten und Sänger Vince Weber befreundet. Mit Vince gemeinsam bin ich früher oft in Wien aufgetreten. Aber ich bin auch mit „Frumpy“ bzw. verschiedenen anderen Bands oder solo zu Konzerten in Österreich gewesen.

Ihre aktuelle Single heißt genauso wie das neue Album „Universe Of Dreams“. Von welchem Thema handelt dieser Song?

Der Song ist in der Pandemie entstanden. Da habe ich mir die Frage gestellt: Was an Wünschen und Träumen bzw. Visionen habe ich in meinem Leben noch nicht realisiert? Diese Frage stelle ich auch an meine Zuhörer. Was ist noch zu tun, um ein gutes Leben zu haben? Ich denke, die Pandemie ist ein Hinweis der Evolution, nochmal den „Reset“-Knopf zu drücken. Ich selbst habe ja als Musikerin einen Traumberuf, und das geschafft, was sich viele erträumen. Ich konnte mein Leben selbst bestimmt und künstlerisch autark verbringen. Wenn ich so zurückschaue, kann man sagen dass ich 70 Jahre+ ein ganz tolles Leben gehabt habe. Zwar auch mit Ups and Downs, aber generell würde ich sagen, dass ich unheimlich viel Glück gehabt habe. Überhaupt hat unsere Generation im Leben eigentlich viel Glück gehabt. Früher gab es oft Kriege bzw. Hungernöte und andere Katastrophen. Wir konnten zum ersten Mal erleben, dass wir in Wohlstand und Gesundheit aufgewachsen, und das tun konnten, was wir wollten. Und wir leben in einer Demokratie.

Gesellschaftlich ist unsere Zeit aktuell sehr von Unruhe, Krisen und starken Veränderungen geprägt. Seit kurzem gehen z.B. aber viele Jugendliche bei den großen „Fridays For Future“-Demos auf die Straße, um sich für Maßnahmen gegen den Klimawandel einzusetzen. Das ist doch zumindest ein positives Zeichen, oder? Ja, ich war von dieser Aktion total begeistert. Wir haben das auch gemacht in den 70er-Jahren. Damals wurde ja schon Organisationen wie dem „Club of Rome“ (Zusammenschluss von Experten verschiedener Disziplinen aus mehr als 30 Ländern, der sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit einsetzt und 1968 gegründet würde, Anm. der Red) vorhergesagt, dass wir über unsere Verhältnisse leben bzw. dass diese Lebensweise in der Zukunft schwerwiegende Folgen haben wird. Es war damals schon klar, dass sich das in absehbarer Zeit ändern muss, sonst kommt es zu einer Katastrophe. Später kam der Kampf gegen Atomkraft dazu, das war auch noch eine starke Belastung. In den 80er Jahren habe ich auf einigen Anti-Atomkraft-Festivals gespielt, und Songs geschrieben mit Namen wie „Computers in the park“ oder „Credit on the future“. Das war alles schon so in dieser Richtung, was der „Fridays For Future“-Bewegung heute auch wichtig ist. Zum Schluss meine obligatorische Abschlussfrage. Welche drei Alben würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen? Oh, schwierige Frage. Auf jeden Fall was von US-Blues Sänger Keb´Mo´, dann was von Django Reinhardt. Und als drittes Album etwas von der legendären Gospel-Sängerin Mahalia Jackson! (Interview: Robert Fischer, Fotos: Pressefreigabe) https://www.ingarumpf.de/ Aktuelle CD: „Universe Of Dreams & Hidden Tracks“ (2021, earMUSIC)

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