"Reparatur der Welt" von Monika Maurer



Zufrieden legte sie den Schraubenschlüssel auf die Werkbank, ihre Hände waren schwarz und ölig. Sie roch nach Motoröl und dem kalten Geruch einer Trennscheibe.

Der Tag war zu Ende, nicht ihre Arbeit.

Die Liste war unendlich lang, ihr Kopf ständig in Bewegung.

Sie ging in ihre Tischlerwerkstatt, die gleich nebenan war, wischte ihre öligen Hände in einen Fetzen und schaute mit verzogenen Lippen auf die Bretter, die an der Wand lehnten.

Mit dem Maßband streifte sie über ein Brett. Sie mochte dieses Stück Holz, wusste aber noch nicht genau, was daraus werden würde.

Beinahe geräuschlos öffnete sich die Tür der Werkstatt. Ihr kleiner Sohn stand im Pyjama vor ihr. Er fragte, wann sie denn ins Haus kommen würde.

Sie nahm ihn hoch und setzte ihn auf die Werkbank in einen kleinen Haufen von Sägespänen. Er liebte den Geruch, das wusste sie. Er senkte den Kopf und strich sanft über sein kleines Kuschelmonster in seiner Hand. Ohne den Kopf zu heben sah er sie an und sagte: „Mama, was soll ich denn einmal werden?“

Und hier war sie wieder diese Frage, die jedes Kind, alle Eltern und Großeltern beschäftigt. Zurzeit beschäftigte sie ihn sehr.

Sie sagte nichts, lehnte sich an die aufgestellten Bretter an der Wand und sah ihn sanft an. „Welchen Beruf du später einmal haben wirst, das weiß ich nicht, aber heute Abend wirst du noch alle diese Sachen machen; du wirst ein Abendesser, ein Kakaotrinker, ein Zähneputzer, ein Schultascheneinräumer, ein Hasenfütterer, ein Zeittrödler, ein Schwesternsekkierer, ein Geschichtenzuhörer, ein Papadrücker, ein Kuschler sein. Und kurz danach wirst du das sein, was am allerwichtigsten ist – ein Träumer.“

Er schaute sie mit ruhigem Blick an. Sie ging auf ihn zu und seine kleinen Arme legten sich um ihren schmierigen Arbeitsanzug.

Sie wusste, dass er ihr nicht mehr zuhörte und stattdessen ihre Vibrationen beim Sprechen wahrnahm, dennoch setzte sie fort: „Du bist schon alles, du musst nichts mehr werden.“

© Monika Maurer, unveröffentlicht

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